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In Kindertagen ließen sich die besten Baumhäuser bauen, wenn es neben einer außerordentlichen Freundschaft als Grundlage auch noch eine klare Rollenverteilung gab. Bei Elster Club ist das ähnlich, nur dass die drei Jungs aus Leipzig keine Baumhäuser zusammen schrauben, sondern mit autodidaktischem Geschick Gesang, Beats, Gitarre und diverse geheime Zutaten zusammen frickeln.

Die Musik von Thomas, Christian und Johannes liegt irgendwo zwischen Zoot Woman, Franz Ferdinand, den Talking Heads und Metronomy und klingt dabei auf angenehme Weise handgemacht. So als würde die Maschine zum Mensch werden und manchmal auch umgekehrt. Gitarre, Bass und Laptop treffen sich hier irgendwo dort, was manch einer Indie Pop nennen würde. Allerdings nicht die Art von schnödem Pop, die gerne Indie wäre, sondern Indie-Musik, die durch eingängige Melodien gerne mal eine Hand voll Pop mitnimmt. Eben Indie Pop mit Gitarre, Bass und Laptop.

So hatten Elster Club in ihrer noch jungen Bandgeschichte bereits Auftritte mit Beat Beat Beat oder Digitalism ohne auch nur ein Album fertig zu haben. So richtig überrascht dies allerdings nicht, da die Jungs so gut zusammen funktionieren, dass man durchaus meinen könnte, sie würden das schon seit Jahren tun.

Tun sie aber nicht. Dafür darf man Elster Club aber als das erste und einzig echte MySpace-Phänomen bezeichnen. Die Band von Christian und Thomas hatte sich mitten in der Produktion des ersten Albums ganz plötzlich aufgelöst. Johannes wiederum musste seine Band nach zwei Semestern Erasmus in Glasgow wieder verlassen – kurz bevor es richtig losgehen sollte. Ein Desaster. Wäre da nicht der altehrwürdige Internet-Dinosaurier MySpace gewesen: Johannes wurde dort auf die ersten musikalischen Gehversuche von Christian und Thomas aufmerksam – über den Sound ihres Drumcomputers:

Johannes: „Ist das ne echte 808?“
Thomas: „nur plugin-spaß. da hab ich wohl zu dick aufgetragen“
Johannes: „Mal jammen?“
Thomas: „keine schlechte idee. da muss ich aber erst mit dem christian quatschen“
Thomas: „christian meint. du wärst ein segen. also abgemacht. juhu.“

Und endlich passte das Puzzle. Sowohl menschlich, als auch musikalisch. Kämen Elster Club von den Straßen Liverpools, wären sie womöglich schon das nächste große Ding. So sind sie eben ein Geheimtipp erster Güte aus Leipzig. Glücklicherweise macht das weder dem Sound, noch der Leidenschaft von Elster Club etwas aus. Und genau das hört man dem ersten Album “The Grand Stalker” (VelocitySounds Rec.) auch an.

(mit vielem lieben Dank an @hermsfarm für den Text! Dieses und andere tolle Fotos auf dieser Website sind übrigens von Marcus Reichmann, Webdesign von Christoph Landes)